N-Methylierung von Glycin
ID: 181803 | Nr: 631 | Institut für Chemieinformation
Schülerversuch ab Jahrgangsstufe 5Kategorie: Nachweise
3 Glycin (C2H5NO2 (s)) + 2 Trioxan (C3H6O3 (s)) + 6 Oxalsäure (C2O4H2 (s)) → 3 Dimethylglycin (C4H9NO2 (s)) + 12 Kohlenstoffdioxid (CO2 (g)) + 6 Wasser (H2O(l))
Reaktionsmechanismus:
1 Bildung des Aminols, 2 Protonierung des Aminols, 3/4 Wasserabspaltung zum Iminium, 5/6 Reduktion des Imins zum Sarcosin (sekundäres Amin). Wiederholung Reaktionskette mit höherer Reaktionsgeschwindigkeit bis zum Dimethylglycin (tertiäres Amin).
- Ansatz herstellen (Verreiben): Im Mörser 225 mg Glycin (3,0 mmol), 810 mg 1,3,5 Trioxan (9,0 mmol) und 756 mg Oxalsäuredihydrat (6,0 mmol) sorgfältig und homogen innig verreiben, bis ein homogenes Pulvergemisch vorliegt.
- Überführen in das Reaktionsgefäß: Das feste Gemisch wird mithilfe eines Feststofftrichters quantitativ in ein Reagenzglas (RG) überführt (ggf. mit Spatel nachführen; anhaftende Reste durch leichtes Klopfen lösen).
- Aufbau: Das RG wird mittels Lochstopfen verschlossen in das ein Steigrohr als ein luftgekühlter Rückflusskühler gesteckt ist.
- Erhitzen / Reaktionsführung: Das RG wird im Heißluftstrom bei 150°C (oder einer anderen vergleichbar kontrollierten Wärmequelle) vorsichtig erhitzt, bis sich im Steigrohr sichtbares Kondensat niederschlägt (ca. 10 min).
- Das HG wird abgestellt und das Reaktionsgemisch auf ca. 50°C abgekühlt. Achtung: Längeres Erhitzen führt zur dunkelbrauner Färbung die auf die Bildung von Zersetzungsprodukte hindeuetet.
- Zur erkalteten Reaktionsmischung werden 10 ml Wasser zugegeben. Es bildet sich eine orange gefärbte klare Lösung.
- Die Hälfte der Mischung wird in ein Reagenzglas transferiert und mit 1 ml Dragendorff- Reagenz versetzt. Es bildet sich sofort ein orangeroter Niederschlag.=> Nachweis tert. Amin!
- Optional: Ca. 0,5 ml der Reaktionsmischung werden mittig auf ein Uhrglas (auf Overhead-Projektor) gegeben. An den Rand des Uhrglases wird ein Tropfen Dragendorff-Reagenz plaziert.
Mittels Glassstab wird das Dragendorff-Reagenz mit der Reaktionsmischung vermengt. Die Bildung das Niederschlages läßt sich in der Projektion beobachten. - Optional - TLC: Auf einer DC-Platte werden 200 µl der Reaktionsmischung und als Vergleich Glycin-Lösung aufgetragen und mit einer mobilen Phase aus Aceton (5 ml) : Isopropanol (5 ml) : Essigessenz (25%-ig; 4 ml) chromatographiert.
Nach dem Trocknen (Föhn) wird die Platte zuerst mit Ninhydrin-Sprühreagenzlösung flächig besprüht. Beim Trockenföhnen entwickelt sich nur ein violetter Fleck auf der Glycin-Spur => primäres Amin
Ein eventuell auftretender leich gelblicher Fleck bei der Reaktionsmischung würde die Zwischenstufe Monomethylglycin (Sarcosin) anzeigen => sekundäres Amin. - Nun wird die Platte flächig mit Dragendorff-Reagenz besprüht. Bei der Reaktionsmischung zeigt kurz oberhalb der Startlinie ein orangeroter Fleck Dimethylglycin an. => tert. Amin
Beobachtungen während des Erhitzens (zur Prozesskontrolle):
- Nach ca. 2 min beginnt die Mischung zu sintern und kurz danach bildet sich eine klare Lösung unter Bläschenbildung (CO2) und Kondensat an der RG-Wand.
- Die Lösung färbt sich langsam gelblich und ist nach ca. 5 min orangerot.
- Man erwärmt weiter bis nach ca. 10 min Gesamtzeit Kondensat im Steigrohr anfällt. Die Reaktionsmischung (Temp. ca. 105°C) ist nun dunkelrot.
DC auf Silicagel (2,5*7,5 cm); mobile Phase: 5 mL Aceton, 5 mL Isopropanol, 4 mL Essigessenz (25%-ig) : Rf: Dimethylglycin 0,14, Glycin 0,47 (Sarcosin 0,21)
Abzug, Mörser mit Pistill, Feststofftrichter, Reagenzglas (RG) 18 x180 mm mit Gummistopfen und Steigrohr, Reagenzgläser 16 x 160 mm regelbares Heißluftgebläse (HG), Becherglas, Reagenzglasständer, Reagenzglasklammer
| Name | Formel | CAS-Nr. | H-Sätze | P-Sätze | Piktogramme |
|---|---|---|---|---|---|
| Aceton | CH₃COCH₃ | 67-64-1 |
H225
– Flüssigkeit und Dampf leicht entzündbar.
H319
– Verursacht schwere Augenreizung.
H336
– Kann Schläfrigkeit und Benommenheit verursachen.
EUH066
– Wiederholter Kontakt kann zu spröder oder rissiger Haut führen.
|
P210
– Von Hitze, heißen Oberflächen, Funken, offenen Flammen und anderen Zündquellen fernhalten. Nicht rauchen.
P233
– Behälter dicht verschlossen halten.
P240
– Behälter und zu befüllende Anlage erden.
P241
– Explosionsgeschützte elektrische Betriebsmittel / Lüftungsanlagen / Beleuchtung /... verwenden.
P242
– Nur funkenfreies Werkzeug verwenden.
P305+P351+P338
– BEI KONTAKT MIT DEN AUGEN: Einige Minuten lang behutsam mit Wasser spülen. Vorhandene Kontaktlinsennach Möglichkeit entfernen. Weiter spülen.
|
GHS02, GHS07 |
| Glycin | NH₂CH₂COOH | 56-40-6 | |||
| Kohlendioxid | CO₂ | 124-38-9 | |||
| Oxalsäure-2-Hydrat | (COOH)₂·2H₂O | 6153-56-6 |
H318
– Verursacht schwere Augenschäden.
H302+H312
– Gesundheitsschädlich bei Verschlucken oder Hautkontakt
|
P264
– Nach Gebrauch ... gründlich waschen.
P270
– Bei Gebrauch nicht essen, trinken oder rauchen.
P280
– Schutzhandschuhe / Schutzkleidung / Augenschutz / Gesichtsschutz tragen.
P501
– Inhalt / Behälter ... zuführen.
P302+P352+P312
– BEI BERÜHRUNG MIT DER HAUT: Mit viel Wasser und Seife waschen. Bei Unwohlsein GIFTINFORMATIONSZENTRUM oder Arzt anrufen.
P305+P351+P338+P310
– BEI KONTAKT MIT DEN AUGEN: Einige Minuten lang behutsam mit Wasser spülen. Eventuell vorhandene Kontaktlinsen nach Möglichkeit entfernen. Weiter spülen. Sofort GIFTINFORMATIONSZENTRUM oder Arzt anrufen.
|
GHS05, GHS07 |
| 2-Propanol | C₃H₇OH | 67-63-0 |
H225
– Flüssigkeit und Dampf leicht entzündbar.
H319
– Verursacht schwere Augenreizung.
H336
– Kann Schläfrigkeit und Benommenheit verursachen.
|
P210
– Von Hitze, heißen Oberflächen, Funken, offenen Flammen und anderen Zündquellen fernhalten. Nicht rauchen.
P233
– Behälter dicht verschlossen halten.
P240
– Behälter und zu befüllende Anlage erden.
P241
– Explosionsgeschützte elektrische Betriebsmittel / Lüftungsanlagen / Beleuchtung /... verwenden.
P242
– Nur funkenfreies Werkzeug verwenden.
P305+P351+P338
– BEI KONTAKT MIT DEN AUGEN: Einige Minuten lang behutsam mit Wasser spülen. Vorhandene Kontaktlinsennach Möglichkeit entfernen. Weiter spülen.
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GHS02, GHS07 |
| 1,3,5-Trioxan | C₃H₆O₃ | 110-88-3 |
H228
– Entzündbarer Feststoff.
H335
– Kann die Atemwege reizen.
H361d
– Kann vermutlich das Kind im Mutterleib schädigen.
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P202
– Vor Gebrauch alle Sicherheitshinweise lesen und verstehen.
P210
– Von Hitze, heißen Oberflächen, Funken, offenen Flammen und anderen Zündquellen fernhalten. Nicht rauchen.
P240
– Behälter und zu befüllende Anlage erden.
P241
– Explosionsgeschützte elektrische Betriebsmittel / Lüftungsanlagen / Beleuchtung /... verwenden.
P261
– Einatmen von Staub/Rauch/Gas/Nebel/Dampf/Aerosol vermeiden.
P308+P313
– BEI Exposition oder falls betroffen: Ärztlichen Rat einholen / ärztliche Hilfe hinzuziehen.
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GHS02, GHS07, GHS08 |
| Wasser, entionisiert | H₂O | 7732-18-5 | |||
| Ninhydrin-Sprühlösung 0,5% in Ethanol | C₉H₆O₄ | 485-47-2 |
H225
– Flüssigkeit und Dampf leicht entzündbar.
H319
– Verursacht schwere Augenreizung.
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P210
– Von Hitze, heißen Oberflächen, Funken, offenen Flammen und anderen Zündquellen fernhalten. Nicht rauchen.
P240
– Behälter und zu befüllende Anlage erden.
P403+P233
– Behälter dicht verschlossen an einem gut belüfteten Ort aufbewahren.
P305+P351+P338
– BEI KONTAKT MIT DEN AUGEN: Einige Minuten lang behutsam mit Wasser spülen. Vorhandene Kontaktlinsennach Möglichkeit entfernen. Weiter spülen.
|
GHS02, GHS07 |
| Essigsäure 25% | CH₃COOH·aq |
H314
– Verursacht schwere Verätzungen der Haut und schwere Augenschäden.
|
P280
– Schutzhandschuhe / Schutzkleidung / Augenschutz / Gesichtsschutz tragen.
P363
– Kontaminierte Kleidung vor erneutem Tragen waschen.
P308+P310
– BEI Exposition oder falls betroffen: Sofort GIFTINFORMATIONSZENTRUM oder Arzt anrufen.
P303+P361+P353
– BEI BERÜHRUNG MIT DER HAUT (oder dem Haar):Alle kontaminierten Kleidungsstücke sofort ausziehen. Haut mit Wasser abwaschen/duschen.
P305+P351+P338
– BEI KONTAKT MIT DEN AUGEN: Einige Minuten lang behutsam mit Wasser spülen. Vorhandene Kontaktlinsennach Möglichkeit entfernen. Weiter spülen.
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GHS05 | |
| N,N-Dimethylglycin | C₄H₉NO₂ | 1118-68-9 |
H302
– Gesundheitsschädlich bei Verschlucken.
|
P264
– Nach Gebrauch ... gründlich waschen.
P270
– Bei Gebrauch nicht essen, trinken oder rauchen.
P280
– Schutzhandschuhe / Schutzkleidung / Augenschutz / Gesichtsschutz tragen.
P301+P312
– BEI VERSCHLUCKEN: Bei Unwohlsein GIFTINFORMATIONSZENTRUM / Arzt ... anrufen.
|
GHS07 |
-
Eine Gestellschutzbrille ist zu tragen.
-
Als Spritzschutz dienen Nitril-Einmalhandschuhe.
-
durch Einatmen
-
durch Hautkontakt
-
durch Augenkontakt
-
EntstehungsbrändeEntstehungsbrände mit Feuerlöscher bekämpfen. Schülerinnen und Schüler halten sicheren Abstand. Können diese nicht sofort gelöscht werden, Raum unverzüglich verlassen und Feuerwehr sowie Schulleitung alarmieren. Personenbrände mit Handbrause oder ggf. Feuerlöscher unverzüglich bekämpfen, hier zählt jede Sekunde!
Besprühen der DC-Platten mit Sprühreagenz im Abzug durchführen. Karton als Rückwand verwenden.
Trockenföhnen der DC-Platten im Abzug durchführen.
Heiße Oberfläche der Düsen am Heißluftgebläse bei und kurz nach Betrieb beachten! Verbrennugnsgefahr.
Gefährliche Stoffeigenschaften oder andere Gefährdungen, die eine Durchführung durch Schüler/innen oder Lehrkräfte grundsätzlich ausschließen würden, sind nicht bekannt. Die Stoffliste DGUV Information 213-098 in degintu.dguv.de wurde berücksichtigt.
Ja, die Substitution des Paraformaldehyds durch Trioxan und der Ameinsäure durch Oxalsäuredihydrat reduziert die Gefahren und macht die Reaktionsführerung sicherer
Die reduktive n-Methylierung ist die Voraussetzung die Aminosäure mittels Dragendorff-Reagenz nachweisen zu können.
N,N-Dimethylglycin
Substitution des Paraformaldehyds: Proske W. und Klemeyer H. unveröffentlichte Mitteilung
Substitution der Ameisensäure: Rosenau T. et al. SYNTHETIC COMMUNICATIONS, 32(3), 457–465 (2002) A SOLVENT-FREE AND FORMALIN-FREE ESCHWEILER-CLARKE METHYLATION FOR AMINES; https://sl1nk.com/jxnxnwc (Substitution der Ameisensäure)